Wer die Schallaburg betritt, steht in der Ausstellung „80er – Grenzen waren gestern.“ gleich nach dem Eingang vor einem Tisch voller loser Teile. Kein fertiges Exponat, keine Erklärtafel – sondern die Einladung, das geteilte Europa des Kalten Krieges selbst zusammenzusetzen. Genau dieses interaktive Ausstellungsmodell durften wir bei 3DBen für die Schallaburg konstruieren und im 3D-Druck umsetzen.
Die Ausstellung ist die 51. Hauptausstellung der Schallaburg und läuft vom 11. April bis 15. November 2026. Sie erzählt die 1980er-Jahre nicht als abgeschlossenes Kapitel, sondern als erlebbare Zeit zwischen Blockkonfrontation, Aufbruch und dem Fall des Eisernen Vorhangs. Ein begehbares, im Wortsinn begreifbares Modell passt da perfekt – und zeigt zugleich, wofür sich 3D-Druck im Ausstellungsbau besonders eignet.
Der Auftrag: eine Landkarte, die man erst begreifen muss
Der Auftrag kam über eine Agentur, die für die Umsetzung mehrere Anbieter angefragt hatte. Den Zuschlag haben wir bekommen, weil wir uns sofort konkrete Gedanken zur technischen Lösung gemacht haben – nicht erst nach Auftrag, sondern direkt im Erstgespräch.
Die Anforderung war anspruchsvoll: Gesucht war eine Europakarte, die
- die Blöcke des Kalten Krieges farblich unterscheidet – NATO/Westen, Ostblock und neutrale Staaten,
- sich wie ein Puzzle entlang der damaligen Ländergrenzen zusammensetzen lässt, sodass Besucher:innen die Karte selbst erarbeiten müssen,
- auf der Rückseite die Ländernamen trägt – bewusst mit den heutigen Grenzen.
Dieser letzte Punkt ist der inhaltliche Kniff: Vorne das geteilte Europa von gestern, hinten das Europa von heute.
Vom Agentur-Entwurf zum druckbaren Puzzle
Der erste Entwurf kam von der Agentur. Bis daraus ein robustes, alltagstaugliches Exponat wurde, lag aber die eigentliche Konstruktionsarbeit bei uns.
Zwei Punkte waren entscheidend:
1. Grenzen entschärfen und abrunden. Im Originalentwurf hätte man einige Teile von oben einsetzen müssen. Für ein Ausstellungsstück, das täglich von vielen Händen zusammengesetzt wird, ist das unpraktisch und fehleranfällig. Wir haben die Grenzverläufe daher geglättet und abgerundet, sodass sich die Länder seitlich ineinanderschieben lassen – intuitiver, schneller, robuster.
2. Toleranzen einplanen. Zwischen jedem einzelnen Land und zum Eisernen Vorhang haben wir 0,2 mm Spiel eingearbeitet. Genug, damit die Teile sauber gleiten und nicht klemmen, aber eng genug, damit die zusammengesetzte Karte stabil zusammenhält. Die Konstruktion entstand in Autodesk Fusion 360.
Der Eiserne Vorhang selbst ist kein gedrucktes Teil: Ihn hat ein Metallbauer nach unserer Skizze gefertigt – ein physisches Trennelement, das exakt in die vorgesehene Lücke der Karte passt. Die Materialgrenze zwischen Kunststoff und Metall unterstreicht die inhaltliche Trennung zusätzlich.
Material und Technik
Für ein Exponat, das jeden Tag angefasst, auseinandergenommen und neu zusammengesetzt wird, zählt vor allem Robustheit. Die wichtigsten Eckdaten dazu finden Sie kompakt im Steckbrief oben.
| Merkmal | Umsetzung |
|---|---|
| Material | PETG (schlagzäh, langlebig, ideal für intensive Handhabung) |
| Drucker | Bambu Lab H2D (Mehrfarbdruck) |
| Größe | rund 80 × 80 cm |
| Teile | etwa 30 Länderteile |
| Druckzeit | über 120 Stunden |
| Farbgebung | Unterseite und Sockel schwarz, Grenzen und Ländernamen weiß, Oberseiten je nach Block eingefärbt |
Die Mehrfarbigkeit ist hier nicht Dekoration, sondern didaktisches Mittel: Erst die Farbcodierung macht die Blockbildung auf einen Blick lesbar. Genau dafür ist Multi-Material-3D-Druck prädestiniert – verschiedene Farben und Funktionen in einem Bauteil, ohne Lackieren oder Kleben.
Der interaktive Clou
Das Besondere an diesem Exponat ist nicht das fertige Modell – sondern der Weg dorthin. Die einzelnen Teile liegen lose auf einem Tisch, direkt nach dem Eingang. Besucher:innen setzen das geteilte Europa selbst zusammen.
Dieses Selbermachen ist der eigentliche Vermittlungstrick: Wer die Karte Stück für Stück zusammenschiebt, erlebt die Trennung in Ost und West nicht als abstrakte Information, sondern als physische Handlung. Und beim Umdrehen der Teile zeigt die Rückseite das heutige Europa – ein stiller, starker Kommentar zum Ausstellungstitel.
Warum 3D-Druck für Exponate oft die beste Wahl ist
Ein solches Modell klassisch zu fertigen, wäre aufwendig und teuer gewesen. 3D-Druck spielt hier mehrere Vorteile gleichzeitig aus:
Drei Dinge, die bei interaktiven Exponaten zählen
Aus diesem Projekt lassen sich Lehren ziehen, die für jedes anfassbare Ausstellungsstück gelten:
Interaktive Modelle und Exponate aus dem 3D-Druck
Ob Museum, Messe, Showroom oder Markenraum: Wir konstruieren und drucken interaktive Modelle, taktile Exponate und Anschauungsstücke – von der 3D-Konstruktion bis zum fertigen, langlebigen Objekt. Einen Überblick über vergleichbare Arbeiten finden Sie in unseren Projekten.
Das Modell ist Teil der Ausstellung „80er – Grenzen waren gestern.“ auf der Schallaburg (11. April – 15. November 2026).
Häufig gestellte Fragen
Welches Material eignet sich für interaktive Ausstellungsmodelle?
Für Exponate, die häufig angefasst werden, eignet sich PETG besonders gut: Es ist schlagzäh, langlebig und hält intensiver Handhabung über Monate stand. Für rein optische Modelle kommen je nach Anforderung auch PLA, ASA oder hochauflösender SLA-Druck infrage.
Wie groß kann ein 3D-gedrucktes Modell sein?
Größere Objekte werden in Segmente zerlegt und nach dem Druck zusammengefügt - so sind praktisch beliebige Formate möglich. Die Europakarte für die Schallaburg misst rund 80 × 80 cm und besteht aus etwa 30 Einzelteilen.
Eignet sich 3D-Druck für taktile und barrierearme Exponate?
Ja. Modelle zum Anfassen erreichen auch Menschen, die lange Texttafeln meiden, und lassen sich gezielt mit ertastbaren Strukturen, Farbkontrasten und stabilen Bauteilen gestalten.
Wie lange dauert die Umsetzung eines Ausstellungsmodells?
Das hängt von Größe, Komplexität und Konstruktionsaufwand ab. Reine Druckzeiten reichen von wenigen Stunden bis - wie bei diesem Projekt - über 120 Stunden. Hinzu kommen Konstruktion, Test und Nachbearbeitung. Eine realistische Einschätzung geben wir nach Sichtung der Anforderungen.
Was kostet ein interaktives Ausstellungsmodell aus dem 3D-Drucker?
Der Preis richtet sich nach Material, Größe, Teilezahl und Konstruktionsaufwand. Da es sich meist um Einzelstücke handelt, erstellen wir ein individuelles Angebot - ohne Werkzeug- oder Formkosten, wie sie bei klassischer Fertigung anfallen.
Modell, Exponat oder Anschauungsstück geplant?
Wir konstruieren und drucken interaktive Modelle für Museen, Messen und Showrooms – langlebig, präzise und mit Beratung von der Idee bis zum fertigen Objekt.


